Regenwaldapotheke

In der Dunkelheit, im undurchdringlichen Dickicht des Dschungels rund um den Amazonas, gibt es tatsächlich Gegenden, welche noch nie ein Mensch betreten hat. Vielleicht gerade einmal ein Indianer. Noch immer sind längst nicht alle Tierarten und Pflanzen entdeckt, die hier ungestört wachsen und ihre geheimen Wirk- und Inhaltsstoffe bewahren. Inzwischen machen sich Wissenschaftler daran diese Geheimnisse zu erforschen und so dem Menschen nutzbar zu machen. Die Vielzahl der Pflanzen und Lebewesen, die so entdeckt werden, ist gigantisch, wie der Fluss und der Dschungel selbst. So haben Untersuchungen ergeben, dass bis zu 72 unterschiedliche Pflanzen auf einem einzigen Dschungelbaum gedeihen.

Die meisten von diesen wachsen im oberen Teil der Bäume, da nur etwa 1 Prozent des Sonnenlichts den Boden überhaupt erreichen kann. Dies erklärt auch die Namensgebung der Spanier, als sie sagten Die mordende Dunkelheit. Nicht nur die Wissenschaftler allgemein interessieren sich für diese Vielzahl an Pflanzen, auch die Pharmaindustrie ist sehr daran interessiert zu wissen, welche Schätze die Regenwaldapotheke noch bewahrt. So rechnen Wissenschaftler mit Wirkstoffen gegen Aids, Krebs und Herzkrankheiten. Es wäre mühsam und dumm alleine den Dschungel zu durchkämmen, um die entsprechenden Kräuter und Pflanzen zu finden, wenn ortskundige Führer im ganzen Dschungel zu finden sind und diesen als ihr Zu Hause bezeichnen.

Dies haben die Wissenschaftler erkannt und bedienen sich immer häufiger dem alten Wissen der Schamanen. Jeder Stamm der einheimischen Indianer hat einen oder mehrere Zauberer, wissende Männer und Frauen, die sich um die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Stammesgenossen kümmern. Seit Generationen werden die Wirkstoffe und Wirkungsweisen der einzelnen Pflanzen an die folgende Generation weitergegeben und ergänzt. In den Städten und Dörfern entlang des Amazonas findet man so genannte Kräuterfrauen, die ebenfalls viel über die Wirkung der Pflanzen wissen und weitergeben können.

Die Schamanen werden selten.

Einige wenige gibt es noch. So beispielsweise den Medizinmann Tacuma, einem der letzten Medizinmänner des Amazonasdschungels. Er hat sich bereiterklärt einem befreundeten holländischen Forscher seine Geheimnisse anzuvertrauen. Für ausländische Forscher ist es inzwischen nicht mehr so einfach die Geheimnisse des Dschungels alleine für sich und ihre geldgebende Industrie zu nutzen. Die Regierung Brasiliens hat entsprechende Gesetzte verabschiedet, die die biologischen und genetischen Ressourcen des Landes schützen. So hat auch das Land Brasilien selbst etwas von den Forschungen, welche in dem hier befindlichen Dschungel durchgeführt werden. Erste Erfolge sind inzwischen auch nachweisebar. So wurde beispielsweise aus dem Extrakt eines Baumes ein Mittel zur Behandlung von Glaukomen hergestellt, welches bestens wirkt.